Narzissen im Gras verwildern lassen

Narzissen im Gras verwildern lassen

Ob auf dem Rasen oder einer Wiese: Es ist einfach, Narzissen auf Grasflächen zu pflanzen. Narzissen, die sich auf natürliche Weise fortpflanzen, sind verwilderte Sorten der Narcissus, die sich durch Samen vermehren und in weitläufigen wilden Blumeninseln wachsen.

Im Garten der Royal Horticural Society in Wisley gehört zu meinen Lieblingsplätzen ein breiter, mit Gras bewachsener Hang neben dem Steingarten, der im März vollflächig von den tanzenden Trompeten der Narcissus bulbocodium gesäumt wird. Saure Böden und ein Gebiet, in dem gemähtes Gras fast das ganze Jahr hindurch für die nötige Feuchte sorgt: Im Garten von Wisley herrschen ideale Bedingungen für die kleine Reifrocknarzisse, um zu wachsen und sich frei auszusäen.

Ähnliches können wir auch in unserem Garten schaffen, indem wir Sorten wie die Narcissus bulbochodiumGolden Bells‘ und ‚White Petticoat‘ oder auch etwas größere Exemplare der Narcissus pseudonarcissus pflanzen.

Mini-Narzisse 'Golden Bells'Mini-Narzisse 'Golden Bells'

Anders als wilde Sorten pflanzen sich viele gezüchtete Narzissenarten nur selten durch Samen, sondern eher durch die Bildung von Zwiebelbüscheln fort. Trotzdem können sie in große Gruppen ins Gras gepflanzt werden, wo sie sich auch auf diese Weise vermehren. Somit können sie sich gut ausbreiten, was im Garten für einen noch spektakuläreren Effekt sorgt.

Der einzige Nachteil beim Pflanzen von Narzissen auf Grasflächen besteht darin, dass sie erst sechs Wochen nach dem Verblühen geschnitten werden können. Auf diese Weise verwelken die Blätter auf natürliche Art und Weise. In dieser Zeit versorgen sie die Zwiebeln mit den nötigen Nährstoffen für das kommende Jahr. Am Rand von Rasenflächen stören die langen Grasbüschel weniger. Werden die Narzissen nach bestimmten Mustern angeordnet, können sie einen besonders schönen gestalterischen Aspekt im Garten darstellen.

Es gibt eine Reihe von Zwergnarzissen, die ideal für die Verwilderung im Gras sind und zur Gruppe der Jonquilla-Narzissen gehören. Diese süß duftenden Narzissen bilden bis zu drei Blüten je Stängel aus. Die wohl elegantesten dieser Sorten sind ‚Baby Moon‘ und ‚Sundisc‘, die nacheinander blühen und zusammen ein besonderes, lang blühendes Ensemble bilden.

Jonquilla-Narzisse Baby MoonJonquilla-Narzisse Baby Moon

Meine Favoritin unter den Jonquilla-Narzissen ist die recht hoch wachsende ‚Pipit‘ mit ihren hellgelben Blütenblättern und cremeweißen Trompeten. Allerdings habe ich noch nicht versucht, sie im Gras verwildern zu lassen. Hin und wieder setze ich ein paar Exemplare in meine mehrjährigen Zierbeete, bei denen ich weiß, dass sie hier von ihren Nachbarn nicht erdrückt werden. Die frischen grünen und gelben Blätter von Taglilien etwa, die im zeitigen Frühjahr hervor sprießen, bilden eine hervorragende Umgebung für die Sorte.

Golden Echo‘ vermehrt sich wunderbar von selbst und wird von DuchGrown als eine ihrer besten Jonquilla-Narzissen hoch geschätzt. Strahlend weiße Blütenblätter und Trompeten in lebhaftem Goldgelb: Mit ihren umgekehrten Farben stellt sie das Gegenstück zu ‚Pipit‘ dar. Ich muss sie unbedingt ausprobieren und es vielleicht mit einer lockeren Mischung aus beiden Sorten in einen meiner groß angelegten Wiesenbepflanzungen versuchen.

Cyclamineus Narcissus oder Alpenveilchen-Narzissen wachsen gleichermaßen niedrig und zeichnen sich typischerweise durch nach hinten gebogene Blütenblätter aus. Es scheint so, als seien sie einem starken Wind ausgesetzt. In dieser Gruppe findet sich eine der bekanntesten Narzissen überhaupt, die ‚February Gold‘. Ich habe diesen Namen immer kritisiert, da sich ihre goldgelben Blüten in meinem Garten in London nur selten vor Mitte März öffneten. Heutzutage scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Die letzten Winter waren derart mild, sodass ‚February Gold‘ schon vor Ende Dezember zu blühen begann. Was daran so bemerkenswert war: Die Blüten waren bei den niedrigen Temperaturen noch nach Wochen, auch noch bis in den Februar hinein, derart vollkommen.

Narzissen „Narcissi February Gold“Narzissen „Narcissi February Gold“

‘Jetfire‘ blüht zwar spät, zählt jedoch noch zu den früh blühenden Alpenveilchen-Narzissen. Ihre hübschen Blüten sind von einem hellen Goldgelb und ihre Trompeten von einem kräftigen Orange. Diese herrliche Blume wird häufig vom Grünflächenamt der Stadt Amsterdam, in der ich jetzt lebe, eingesetzt und in groß angelegten Bepflanzungen entlang von Straßen und auf Verkehrsinseln gepflanzt. Kommt sie derartig zum Einsatz, können tolle lang blühende Farbakzente gesetzt werden. Auf diese Weise sollte man sie jedoch nicht in privaten Gärten nutzen. Werden die lebhaften Blumen einzeln verstreut oder in kleinen Gruppen in einem soeben erst aufblühenden mehrjährigen Beet gesetzt, sorgen sie für einen aufregenden Effekt. Sicher lohnt es sich, sie wiederholt an mehrere Stellen zu pflanzen und damit ein früh blühendes Narzissenthema zu kreieren, das sich durch den Garten zieht.

Hätte ich in meinem Garten genügend Platz für einen Obstgarten, würde ich Narcissus poeticus var. recurvus, die Pfauenauge-Narzisse, in einer Vielzahl ins Gras unter die Bäume pflanzen. Diese zu den am spätesten blühenden Sorten gehörende Schönheit wächst hoch genug, dass man sie auch im ungeschnittenen Gras sehen kann. Ihre klassischen weißen Blüten sorgen mit den kleinen rot gerandeten gelben Kronen für einen schönen optischen Effekt.


Narcissus poeticus var. recurvus – Pfauenaugen-NarzisseNarcissus poeticus var. recurvus – Pfauenaugen-Narzisse

Narzissen werden optimal im Garten genutzt, wenn man sie auf Rasenflächen oder in mehrjährige Beete pflanzt. Sind sie einmal in der Erde, gibt es nicht mehr viel zu tun, außer sich jedes Jahr wieder auf sie zu freuen.